Frauen Aus Aller Welt Sprechen Über Sexuellen Missbrauch- Ein Aufruf Zur Veränderung


Unter dem Titel "Das Schweigen überwinden – Die Stimme der Frauen in der Missbrauchs-Krise“ initiierte Voices of Faith am 27. November 2018 in Rom eine zukunftsweisende Veranstaltung, in der Expertinnen mit ihren unterschiedlichen Stimmen zu Wort kamen. Einige der Teilnehmerinnen erfuhren selbst sexuellen Missbrauch durch Priester und Ordensbrüder in der katholischen Kirche.

In ihrem Eröffnungsstatement fordert Prof. Cettina Millitello (Italien) die katholische Kirche auf, "kirchliche Ehrlichkeit" zu praktizieren und eine tiefgehende Analyse ihrer Machtstrukturen vorzunehmen, die nach wie vor das Patriarchat und den sexuellen Missbrauch in der Kirche unterstützen.  Barbara Dorris (USA), Dr. Rocio Figueroa (Peru/Neuseeland) und Doris Wagner (Deutschland) teilten ihre persönliche Geschichte über ihren erlittenen Missbrauch aber auch über den Widerstand und die Repressalien, denen sie ausgesetzt waren als sie versuchten, sich Gehör zu verschaffen um Gerechtigkeit wieder herzustellen über das Unaussprechliche, was ihnen geschehen ist.   

Figueroa, eine ehemalige „consecrated lay woman “der peruanischen Laienbewegung Sodalicio, die fünf Jahre lang das Amt des Frauendesk beim heutigen Dikasterium für die Laien, Familien und Leben innehatte, berichtete, wie sie über mehreren Jahre hinweg eine steigende Zahl von Opfern des Gründers wie auch Stellvertreters der Sodalicio Bewegung ausfindig machen konnte und wie sie in dem Versuch dies aufzuklären,  als "Störenfried" und "kranke Frau" bezeichnet wurde.

Wagner berichtet, dass sie in Rom als junge Schwester von zwei Männern ihrer Gemeinschaft ‘‘Geistliche Familie -Das Werk" sexuell missbraucht wurde. Diese sind heute immer noch Priester; einer ist bei der vatikanischen Glaubenskongregation beschäftigt. Basiert auf ihren Erfahrungen, sieht Wagner die mangelnde Gewaltenteilung in den kirchlichen Strukturen als den Hauptgrund für den bis heute andauernden sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.

In der folgenden Podiumsdiskussion moderiert von Robert Mickens (Chefredakteur, International La Croix), diskutierten Virginia Saldanha (Indien), Mary Hallay -Witte (Germany/Ireland), Barbara Dorris (USA) und Dr. Rocio Figueroa (Peru/Neuseeland) über die institutionellen Widerstände und mögliche strukturelle Lösungen für die weltweite Krise des sexuellen Missbrauchs innerhalb der katholischen Kirche.  

Dorris argumentiert, dass es in allen Bereichen der Gesellschaft Täter gibt. Jedoch scheitert die katholische Kirche an der Vertuschung, die nach der Offenlegung und Anzeige von Taten geschieht. Figueroa macht darauf aufmerksam, dass nicht nur der Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche ein strukturelles Problem ist, sondern auch wie Frauen systematisch zum Schweigen gebracht werden, in dem sie keine offiziellen Stimmen in den Prozessen der Entscheidungsfindung haben. Des Weiteren sprach sie den Klerikalismus an: “Die Kirche atmet nur mit einer Lunge– dem Klerus – und sie erstickt daran. "

Hallay – Witte, Leiterin der Fachstelle Kinder- und Jugendschutz im Erzbistum Hamburg, (Deutschland), appellierte an die Bischöfe, den Opfern zuzuhören und diese als Expertinnen, an dem bevorstehenden Treffen der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zu beteiligen.  

Saldanha unterstreicht die Notwendigkeit der vielfältigen Perspektiven von Frauen. Zukünftig sollten 50% derer, die in der katholischen Kirche Entscheidungen treffen, Frauen sein.

Anhand der Analyse und Erfahrungen der teilnehmenden Expertinnen, ruft Voices of Faith die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen im Februar 2019 in Rom eindringlich dazu auf, größtmögliche Transparenz her zu stellen, durch:

  • Die Veröffentlichung der vollständigen Teilnehmerliste und Tagesordnung bis spätestens sechs Wochen vor dem Treffen

  • Alle Verfahren und Abstimmungen über Dokumente etc während der Konferenz transparent und öffentlich zu machen

  • Darüber hinaus ruft Voices auf Faith die (Erz-)Bischöfe auf, die Stimmendiversität von Frauen in der Konferenz zu berücksichtigen, insbesondere betroffenen Frauen und ihre Fürsprecherinnen einzuladen.

Die Stimmen all derer Frauen, wie diejenige, die am 27. November gesprochen haben, sind für die Glaubwürdigkeit der Kirche unverzichtbar und sind Teil der Lösung, um weiteren sexuellen Missbrauch vorzubeugen und ihn zu beenden.

 

Über Voices of Faith:

Voices of Faith engagiert sich für eine prophetische katholische Kirche, in der die Stimmen von Frauen gehört werden und Frauen in Teilhabe und Führung Männern gleichgestellt sind. Die Initiative setzt sich unermüdlich dafür ein, dass Frauen innerhalb der Kirche leitende Positionen übernehmen können. Voices of Faith organisiert die einzigen Veranstaltungen anlässlich des Weltfrauentags, die jemals innerhalb des Vatikans stattgefunden haben. Mehr dazu finden Sie hier https://voicesoffaith.org

Ein voller Videomitschnitt der Veranstaltung „Das Schweigen überwinden – Die Stimme der Frauen in der Missbrauchs-Krise“ wird demnächst auf dem YouTube-Kanal "Voices of Faith" und in sozialen Medien zu sehen sein.

Für Medienanfragen zu Voices of Faith wenden Sie sich bitte an