Unsere Geduld ist erschöpft – Voices of Faith ruft alle getauften Katholiken dazu auf, zu beten, die Stimme gegen Unrecht zu erheben und sich für Veränderungen innerhalb der Kirche starkzumachen.


Mit wachsender Trauer und Wut hat Voices of Faith die Aufdeckung und Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Bischöfe und Kardinäle überall auf der Welt mitverfolgt. Die systematische Natur der Vertuschung wird immer deutlicher und betrifft immer höhere Ränge der Hierarchie in der katholischen Kirche. Somit steht fest: Der Missbrauch von Kindern, Frauen und Männern durch Geistliche ist nur die Spitze des Eisbergs, das Symptom eines autokratischen Machtsystems, das aufgelöst werden muss, damit unser christlicher Glaube wieder authentisch gelebt werden kann.

 

Unser Name „Voices of Faith“ (dt. Stimmen des Glaubens) dient als Parole für unser Engagement. Geleitet von unserem Glauben sprechen wir uns gegen das Unrecht aus, das von Menschen begangen wurde, die von sich behaupten, in Gottes Namen zu sprechen. Wir rufen alle gläubigen Frauen und Männer auf, ihre Stimme zu erheben, um unsere Kirche um unserer Kinder willen zurückzuerobern.

Wir glauben, dass Papst Franziskus in seinem Ausdruck von Trauer als Reaktion auf die jüngsten Missbrauchsenthüllungen aufrichtig war. Worte sind jedoch Schall und Rauch, wenn ihnen keine konkreten Taten folgen, und wir sind nicht länger bereit zu warten, dass endlich effektive Maßnahmen ergriffen werden. Als Volk Gottes müssen wir selbst Verantwortung und Führung übernehmen. Unser Handeln muss bei den Ursachen ansetzen, anstatt nur die Symptome zu bekämpfen.

Von ganzem Herzen stimmen wir Papst Franziskus zu, dass Klerikalismus eine der systemischen Hauptursachen für die aktuelle Krise ist. Wir glauben auch, wie Jesus uns lehrt, dass es vergeblich ist, „neuen Wein in alte Schläuche zu füllen“ (Mt 9:14-17, Mk 2:18-22, Lk 5:33-39). Kirchenstrukturen, die nach dem Vorbild antiker autokratischer Reiche entstanden sind, in denen sich die gesamte Macht und Verantwortung an der Spitze konzentrieren, hängen allein von dem Wohlwollen der Personen ab, die diese Positionen bekleiden, ihre Macht zum Guten und nicht zum Bösen zu gebrauchen.

Unsere Geduld ist erschöpft. Seit Jahren werden unsere Stimmen und die Stimmen zahlreicher gläubiger Katholiken zum Schweigen gebracht, indem man uns bittet, geduldig zu sein, und argumentiert, dass eine solch große Institution wie die katholische Kirche nur schwer zu reformieren sei. Wir sind uns durchaus bewusst, dass diese Aufgabe enorm ist, aber wir werden nicht zulassen, dass das Leben von weiteren Kindern zerstört wird, dass noch mehr entfremdete Frauen und Männer aus der Kirche austreten und dass unser wertvoller Glaube weiter verzerrt wird.

Auch Laien, die mit ihrem Glauben, ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit entscheidend dazu beigetragen haben, den sexuellen Missbrauch und seine Vertuschung aufzudecken, müssen grundlegend an der Erneuerung unserer Kirche beteiligt werden. Unsere gemeinsame Taufe muss der feste Grund für unsere Erneuerung sein. Als auf Christi Getaufte sind wir alle gleich – auch Diakone, Priester, Bischöfe und Päpste. Diese radikale Gleichheit ist es, die der heilige Paulus als neue Ordnung für Christen im Sinn hatte, als er davon sprach, dass es „nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich“ (Gal 3:28) mehr gibt.

Gerne würdigen wir all diejenigen Männer und Frauen, die sich zum Sakrament der Weihe berufen fühlen. Gleichzeitig bestehen wir jedoch darauf, dass jeder einzelne von uns gleichberechtigt mitbestimmen kann. Deshalb fordern wir, dass die Taufe zum neuen Fundament unserer Kirche, zu unserem „Ticket“ für die Teilhabe an Entscheidungen gemacht wird.

Wir rufen alle wohlwollenden Menschen – Laienmänner und -frauen wie auch geistliche Würdenträger – auf: Lasst uns die Macht unseres Taufgelübdes erneuern. In der Bibel heißt es, dass wir mit unserer Taufe „Christus angezogen haben“ (Gal 3:27) und einen Leib mit Christus bilden. Lasst uns als ein einziger Leib in einer Revolution der Getauften zusammenstehen.

 

Mit unseren Stimmen des Glaubens wollen wir:

  • Für die Reformation unserer geliebten Kirche beten, auf dass sie ein Raum der Fürsorge und des Schutzes für die Schwachen, ein Raum der Gerechtigkeit und Gnade wird, in dem wir unseren christlichen Glauben verkünden können.

  • Unsere Stimme erheben, wenn wir Zeuge von Unrecht, Diskriminierung und Machtmissbrauch werden. Wir werden nicht länger akzeptieren, dass sich Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit auf die Kaffeepause und das Getratsche auf den Fluren beschränkt. Wir werden keine Fälle mehr tolerieren, in denen „wir alle davon gewusst haben, aber niemand sich traute, seine Stimme dagegen zu erheben.“

  • Uns starkmachen für einen tiefgreifenden Wandel der Strukturen und der Führung unserer katholischen Kirche, damit diese den Werten des Evangeliums und dem Geist Jesu Christi wieder mehr entspricht.

 

Als ersten Schritt fordern wir Papst Franziskus auf, eine Synode der Gläubigen einzuberufen und damit einen umfassenden partizipatorischen Prozess auf globaler Ebene zu initiieren, an dem Laien und Priester, Männer und Frauen beteiligt sind, um die drängendsten Probleme unserer Kirche anzugehen und uns auf den Weg der Erneuerung zu führen.

Wir müssen uns zusammentun und anerkennen, dass die zahlreichen Strömungen innerhalb der katholischen Kirche – für die Erneuerung des spirituellen Lebens der Gemeinden, für die Aufdeckung von sexuellem Missbrauch, für die Gleichberechtigung von Frauen, für die Beendigung der Diskriminierung der LGBTQI-Gemeinschaft, für die Einführung transparenter Führungspraktiken in den Diözesen und für viele andere wichtige Zwecke – an diesem Punkt der Geschichte machtvoll zusammenfließen. Mit anderen Worten: Wir erleben eine Zeit der Gelegenheit – des Kairos –, in der die Zukunft der Kirche in der Schwebe ist. Wir stehen vor der historischen Chance einer neuen Wiederauferstehung aus der Asche von Schmerz, Verrat und Machtmissbrauch.

Lasst uns deshalb beten, unsere Stimme erheben und uns für einen tiefgreifenden Wandel starkmachen. Lasst uns eine Revolution der Getauften beginnen. Wir sind die Stimmen des Glaubens.


Voices of Faith engagiert sich für eine prophetische katholische Kirche, in der die Stimmen von Frauen gehört werden und Frauen in Teilhabe und Führung Männern gleichgestellt sind. Die Initiative setzt sich unermüdlich dafür ein, dass Frauen innerhalb der Kirche leitende Positionen übernehmen können. Voices of Faith organisiert die einzigen Veranstaltungen anlässlich des Weltfrauentags, die jemals innerhalb des Vatikans stattgefunden haben. Im Vorfeld zur Bischofssynode zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ setzt sich Voices of Faith dafür ein, dass junge Frauen Führung übernehmen – unter anderem durch eine wirkungsvolle Teilnahme seiner Vertreterinnen und Vertreter an der vorsynodalen Versammlung im März 2018. Hier geht es zum Kampagnenvideo.

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