Should I stay or should I go? ÜBER LEBEN UND RINGEN MIT DER KIRCHE


Impulsvortrag von Doris Reisinger beim FEIERTAG! der KSHG Münster 20. Juni 2019

Soll man gehen oder soll man bleiben? Eine Frage, die sich gerade unglaublich viele Menschen stellen. Die sich vor allem auch Menschen stellen, von denen man es unter anderen Umständen nie erwartet hätte. Zum Beispiel ist die Freundin einer Tante meines Mannes, ihr Leben lang engagierte Religionslehrerin, dieses Jahr aus der Kirche ausgetreten.

1 Sind Sie eigentlich noch in der Kirche?

Sind Sie eigentlich noch in der Kirche? Die Frage bekomme auch ich immer wieder gestellt. Warum interessiert das Leute eigentlich?, frage ich mich dann. Und was machen sie aus meiner Antwort – egal wie sie ausfällt?

Sie ist noch in der Kirche! Heldenhaft, bei alledem, was sie durchgemacht hat, bleibt sie ihrem Glauben treu! Oder: Unbegreiflich, wie kann sie nur! Hat sie es immer noch nicht verstanden, was für eine Mafia sie da unterstützt? Sie ist ausgetreten: Endlich, jetzt hat sie es verstanden. Niemand, der noch einen Funken Verstand und Moral im Leib hat, kann diesem Verein weiter treu bleiben. Oder: Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, dass sie vom Glauben abgefallen ist. Und da wagt sie es noch, in Kirchen aufzutreten und sich als Theologin zu bezeichnen?!

2 Wie kann man es verantworten, zur Kirche zu gehören?

Ich vermute, dass hinter dem Interesse an der Frage in Wirklichkeit etwas anderes steht. Es geht bei dieser Frage gar nicht so sehr darum, ob ich ausgetreten bin. Es geht darum, dass Menschen offenbar das Bedürfnis haben sich an etwas, an jemandem orientieren zu können: Wo ist der Punkt erreicht, an dem es wirklich nicht mehr geht? Unter welchen Bedingungen kann man das eigene Bleiben in der Kirche oder den eigenen Austritt verantworten?

Ich möchte an dieser Stelle – bevor wir dann im Anschluss gerne auch über alles mögliche andere sprechen können – kurz versuchen, ein paar Dinge sagen, die vielleicht dabei helfen können, eine gute Entscheidung in dieser Frage zu fällen.

3 Die Frage ist komplex

Zunächst einmal: Was heißt eigentlich „In der Kirche bleiben“? Und was kann man sich unter „die Kirche verlassen“ vorstellen? Das ist komplexer als es sich anhört. Ich fange einmal mit dem naheliegendsten und einfachsten, weil rechtlich klar geregelten, an, mit dem Kirchenaustritt.

4 Der formale Kirchenaustritt

Wenn wir in Deutschland von „Kirchenaustritt“ sprechen meinen wir in aller Regel einen verwaltungstechnischen Akt. Der Akt sieht so aus: Sie gehen zum Standesamt beziehungsweise zum Amtsgericht und erklären Ihren Austritt aus der Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Dafür zahlen Sie, je nach Bundesland, eine Bearbeitungsgebühr. Fortan müssen Sie dann keine Kirchensteuern mehr entrichten.

Aus Sicht der verfassten Kirche haben Sie damit erklärt, dass Sie sich weigern, die Abgabenpflicht zu übernehmen, die Ihre – eigentlich in der Taufe grundgelegte – Kirchenmitgliedschaft mit sich bringt. Weil Sie das tun, verhängt die Kirche zugleich die Exkommunikation latae sententiae über Sie. Das bedeutet: In den Augen der kirchlichen Obrigkeit leben Sie nun im Stand schwerer Sünde und sind vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen – und zwar ganz egal, was Ihre persönlichen Gründe für den Austritt waren, was für ein Leben Sie führen, was Sie glauben und ob und wie viel Geld Sie nach wie vor spenden oder in den Klingelbeutel werfen.

Wenn Sie den Austritt nicht vor dem Tod bereuen, und im Stand der schweren Sünde sterben, laufen Sie Gefahr, die Ewigkeit in der Hölle zu verbringen. – Soweit ich weiß, gilt das nach wie vor als offizielle Lehre. Sprechen Sie doch bei Gelegenheit einmal Ihren Bischof darauf an, ob er das ganz persönlich auch glaubt und wie er dazu steht, dass er diese Lehre offiziell vertreten muss.

5 Weitere Fakten zum formalen Kirchenaustritt und der Exkommunikation

Ein paar interessante, und zur Orientierung womöglich hilfreiche Details noch abschließend zum Kirchenaustritt: Diese Art des Kirchenaustritts gibt es nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Denn nur dort sehen Konkordate vor, dass Kirchen als Körperschaften des öffentlichen Rechts oder in äquivalenten Formen organisiert sind. Das heißt, als Brasilianer oder Nigerianerin, als Russin oder Vietnamese können Sie gar nicht aus der katholischen Kirche austreten. Dort können Sie zwar auch exkommuniziert werden, aber dann nicht dafür, dass Sie kein Geld zahlen, sondern für andere Dinge, beispielsweise – um wahllos drei entsprechende kirchenrechtliche Straftatbestände herauszugreifen – wenn Sie sich als Frau zur Priesterin weihen lassen oder sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden oder wenn Sie ein Attentat auf den Papst planen.

Priester, die Kinder sexuell missbrauchen, ziehen sich dadurch übrigens keine Exkommunikation latae sententiae zu und nur die wenigsten von ihnen müssen mit wirklich harten Strafen, wie bspw. der Versetzung in den Laienstand rechnen.

6 Die Exkommunikation Ausgetretener ist theologisch nicht gut begründet

Sie merken schon, dass ich den formalen Kirchenaustritt nicht besonders ernstnehme. Ganz abgesehen davon, ob es Sinn macht und vertretbar ist, von einem Stand der schweren Sünde oder von einer ewigen Verdammnis zu sprechen (letzteres ist deutlich problematischer als ersteres, aus verschiedenen Gründen): Es scheint mir durch nichts zu rechtfertigen, eine so drastische Strafe an einem so banalen, und in vielen Fällen ethisch gut begründbaren Akt abhängig zu machen, wie dem Nicht-Zahlen von Kirchensteuer. Was spricht also, in der aktuellen kirchlichen Situation, für den Kirchenaustritt – und was spricht gegen ihn?

7 Was für den Kirchenaustritt spricht

Dafür spricht zweierlei: Zuerst einmal haben Sie in der katholischen Kirche kaum eine andere Möglichkeit ihren Unwillen zu äußern – und zwar so, dass er ankommt. Wenn Sie mit der Regierung der Kirche nicht einverstanden sind – und dafür gibt es spätestens nach dem, was wir über den kirchlichen Umgang mit Kindesmissbrauch wissen, sehr gute Gründe – können Sie diese Regierung nicht abwählen. Sie können Sie auch weder durch das Gründen einer eigenen Partei, durch eine Anzeige vor einem Kirchengericht, eine Petition oder ähnliches irgendwie unter Druck setzen. Es gibt kein Kirchenparlament, keine Untersuchungsausschüsse oder all die anderen Instrumente, die wir von modernen Regierungssystemen gewohnt sind. Angesichts dieser Situation ist der Kirchenaustritt ein Weg, seinen Unmut zu äußern und deutlich zu machen, dass man mit der Regierung der Kirche nicht einverstanden ist.

Es gibt einen weiteren Grund, denn beim Kirchenaustritt geht es ja um Geld. Einkommenssteuerpflichtige Kirchenmitglieder in Deutschland zahlen regelmäßig Geld an eine Kirche, die nicht nur zu den reichsten Ortskirchen weltweit gehört, sondern die darüberhinaus auch zu den reichsten Organisationen in diesem Land gehört. – Kirchenfinanzen sind ein eigenes Thema, das ich hier leider nicht vertiefen kann. Aber glauben Sie mir, es ist sehr aufschlussreich, sich damit zu befassen. – Nun mag man sagen: Ich nutze ja auch die Angebote der Kirche, da macht es Sinn, dafür zu zahlen. Prinzipiell ein gutes Argument. Allerdings zahlen Sie ja nicht direkt für das, was Sie nutzen, sondern Sie werfen Geld in einen Topf, ohne das Mindestmaß an Kontrolle darüber zu haben, was mit diesem Geld geschieht. Während öffentliche Haushalte in Bund, Bundesländern und Gemeinden offenlegen müssen, wie sie Steuergelder verwenden (und sich dafür dann, unter anderem vom Bund der Steuerzahler, auch regelmäßig rügen lassen müssen), gibt es in der Kirche keine entsprechende rechtliche Grundlage, mit der Sie als Mitglied dieser Kirche einen Anspruch auf Information über die Verwendung von Kirchensteuergeldern geltend machen könnten. Solange man der Kirchenregierung vertraut, mag das nicht unbedingt ein Problem sein. Spätestens seit der Missbrauchskrise wissen wir aber nicht nur, dass die Kirche in Deutschland keine echten Entschädigungen für Opfer zahlt (gezahlt werden unter enormem öffentlichen Druck lediglich beschämend geringe Summen, die nicht als Entschädigung deklariert sind, sondern als „Anerkennung von Leid“ – ausdrücklich nicht als „Anerkennung von Schuld“). Wir wissen auch, dass die Kirche weiter für den Lebensunterhalt von überführten Tätern aufkommt, womöglich auch Täteranwälte bezahlt hat und wie wir seit Kurzem, genauer seit dem Fall Pfeifer vermuten dürfen, sogar vor wenigen Jahren noch unabhängige Wissenschaftler, die mit der Aufklärung betraut waren, zu bestechen versucht haben könnte. – Der Großteil der

karitativen Arbeit, die in der katholischen Kirche in Deutschland stattfindet, wird übrigens ehrenamtlich ausgeführt oder von staatlicher Seite finanziert. Kirchliche Einrichtungen übernehmen hier zumeist nur die Trägerschaft. – Unter diesen Bedingungen scheint es mir mehr als legitim zu sagen: Ich möchte keine Kirchensteuern mehr zahlen.

8 Was gegen den formalen Kirchenaustritt spricht

Es gibt allerdings auch durchaus legitime Gründe, sich nicht aus der Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts zu verabschieden. Wenn Sie in der Kirche etwas werden wollen, um die verfasste Kirche nicht denen zu überlassen, die mit dem moralischen Versagen ihrer Leitung kein Problem haben, oder wenn Sie ganz einfach auf die Kirche als Arbeitgeber angewiesen sind, und womöglich Kinder zu ernähren haben, haben Sie einen sehr guten Grund, nicht aus der Kirche auszutreten.

9 Die Konsequenzen des Austritts

Womit müssen Sie im einen wie im anderen Fall rechnen? Ich finde man kann sehr gut aus der Kirche austreten und weiterhin gläubig, ja auch praktizierend bleiben.
Auch wenn Sie keine Kirchensteuern mehr zahlen, wird Sie niemand vor der Kirchentür abfangen oder Sie gewaltsam aus der Reihe der Kommunionempfänger herausreißen (auch wenn mein Mann sagte, er wüsste von Fällen, in denen das versucht worden sei...). Sie müssen allerdings darauf gefasst sein, dass Sie nicht kirchlich heiraten können, aber da befinden Sie sich in guter Gemeinschaft mit katholischen Homosexuellen, Geschiedenen und (aktiven oder suspendierten) Priestern und deren Frauen, die das auch nicht dürfen, selbst wenn sie Kirchensteuern zahlen. Eventuell bekommen Sie auch Schwierigkeiten, wenn Sie einmal eine Tauf- oder Firmpatenschaft übernehmen möchten.

10 Die Konsequenzen des Bleibens

Solange Sie praktizierendes Kirchenmitglied sind und auf jeden Fall, wenn Sie sich gegen einen formalen Kirchenaustritt entscheiden, müssen Sie weiterhin mit der Frage leben, ob und wie Sie Ihre Zugehörigkeit verantworten können. Mit anderen Worten: Sie müssen aktiv dafür sorgen, das, was Sie in der Kirche tun, verantworten zu können. Und zwar indem Sie sich innerhalb dieser Kirche so positionieren, dass Sie sich von dem, was rational wie moralisch nicht tragbar ist in dieser Kirche, distanzieren, und es – ganz praktisch – nicht mittragen. Das ist, je nachdem, welche Stellung oder Anstellung Sie in dieser Kirche haben oder anstreben, gerade sehr anstrengend. Ist es lohnend? Darüber können wir uns gleich noch unterhalten.

11 Kirchenzugehörigkeit jenseits von Steuern

Wie eben schon angeklungen ist, ist Katholisch Sein – zumindest theologisch gesprochen – nicht gleichzusetzen mit Kirchensteuern zahlen. Katholisch Sein heißt vielmehr: Den Glauben und das Leben der kirchlichen Gemeinschaft teilen und fördern.

(oft frage ich mich deswegen: Mit welchem Recht nennen sich Menschen katholisch, die Kinder missbraucht oder nachweislich über Jahrzehnte Kindesmissbrauch in der Kirche vertuscht haben? Warum fragt die niemand, ob sie überhaupt noch zur Kirche gehören?).

Kirchenmitgliedschaft gründet in der Taufe und im persönlichen Glauben. Sie drückt sich aus im Beten, Singen, Feiern, Hoffen und Trauern. Darin, dass wir mit der Bibel und ihren Erzählungen, Worten und Bildern durchs eigene Leben gehen, uns in der eigenen Gemeinde einbringen und von ihr getragen wissen. Es heißt, gemeinsam einen Erfahrungs- und Hoffnungshorizont teilen, Feste feiern, Kerzen anzünden, Lieder singen, aus vertrauten Texten leben und schwere Stunden durchstehen, mit dem Blick auf den Guten Hirten, der dem verletzten Schaaf nachgeht, auf das Kind, das Jesus in die Mitte der Jünger stellt, auf den Auferstandenen, der sich seinen Freunden zeigt, auf die Jünger, die an Pfingsten die Kraft bekommen die furchtbare Angst hinter sich zu lassen, die sie seit dem Tod Jesu gequält und gelähmt hat.

Und: Wenn es das ist, was Sie wollen: Das kann Ihnen niemand nehmen. Niemand. Wenn Sie in diesem Glauben beheimatet und von ihm geprägt sind, können Sie das übrigens, aller Erfahrung nach, auch gar nicht einfach so hinter sich lassen. Und Sie sollten es nicht. Es gibt keinen Grund dafür.

12 Glauben in einer korrupten Kirche

Natürlich, die Frage, die sich jetzt stellt, ist: Schön und gut dieser Glauben. Aber die Kirche selbst, genauer ihre Hirten, haben diesen Glauben ja verraten, haben sich an entscheidenden Punkten genau konträr dazu verhalten und tun das in mancher Hinsicht auch weiterhin. Kann man sich da noch guten Gewissens katholisch nennen, zur Messe gehen, am Gemeindeleben teilnehmen, die eigenen Kinder zur Erstkommunion schicken, an Kirchentagen teilnehmen, sich vom Förderwerk der Deutschen Bischofskonferenz fördern lassen etc. wenn man – so hart ausgedrückt, wie man das ausdrücken muss – um die Verbrechen dieser Kirche weiß?

Mehr noch: Wenn man sich bewusst geworden ist, dass die Kirche die Verfassung und das Recht einer mittelalterlichen Ständegesellschaft hat, in der die Regierung auch heute noch Entscheidungen

  1. 1)  nicht nur gegen eindeutige Mehrheiten, sondern – was schwerer wiegt –

  2. 2)  gegen Fakten, wissenschaftliche Erkenntnisse und den Stand theologischer Forschung und

    – was am Schwersten wiegt –

  3. 3)  gegen Menschenrechte und das Wohl von Kindern und anderen verletzlichen Personen

    und damit gegen den Kern der biblischen Botschaft – durchsetzen kann und tatsächlich durchsetzt? –
    Und wenn man weiß,

  4. 4)  dass man als Kirchenmitglied kaum etwas dagegen tun kann, weil die Mitbestimmungsmöglichkeiten eben aufgrund dieser Verfassung so ungeheuer beschränkt sind? Macht man sich da nicht automatisch mitschuldig, wenn man seinen Glauben weiter praktiziert als wäre nichts gewesen?

Die Antwort fällt eindeutig aus: Ja. Ja, wenn man so tut als wäre nichts gewesen, macht man sich mitschuldig.

13 So tun als wäre nichts gewesen geht nicht mehr

Aber erstens geht weiterleben als wäre nichts gewesen sowieso kaum mehr. Das merken Sie spätestens dann, wenn Sie sich in schöner Regelmäßigkeit gegenüber Freunden und Verwandten rechtfertigen müssen dafür, dass Sie immer noch in die Kirche gehen. Oder daran, dass Ihnen auch im Gottesdienst und bei Festen – wie etwa heute – die Auseinandersetzung mit kirchlichem Leitungsversagen und der Frage was das für Sie bedeutet, nicht erspart bleibt.

Ein weiter so als ob nichts gewesen wäre gibt es also nicht.

Aber den eigenen Glauben praktizieren würde ja auch nicht bedeuten, so tun als wäre nichts gewesen, im Gegenteil: Angesichts des gerade skizzierten Befundes, angesichts der Missbrauchs- und Verantwortungskrise in der Kirche den eigenen Glauben in dieser Kirche praktizieren bedeutet das genaue Gegenteil. Es bedeutet für die Schwachen und Verletzten eintreten. Es bedeutet, die Verantwortungsträger zur Verantwortung zu rufen.

14 Was heißt Christ sein in einer korrupten Kirche? Denkanstöße

Was heißt das in dieser Kirche in diesem Moment? Ich möchte Ihnen einige Denkanstöße geben.

1) Informieren Sie sich über die Krise, in der unsere Kirche steckt. Und zwar auf dem Niveau, womöglich auch mit den fachlichen Methoden und Möglichkeiten, mit denen Sie sich auch sonst mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzen, das Sie betrifft. Kennen Sie die Verfassung der Kirche? Kennen Sie Ihre persönlichen Rechte und Möglichkeiten in dieser Kirche? Kennen Sie die Geschichten der Opfer links und rechts von Ihnen? Zudem würde ich Sie ermutigen, über den deutschen binnenkatholischen Raum hinauszuschauen. Stehen Ihnen beispielsweise die wachsenden Verknüpfungen zwischen Rechtskatholizismus und rechtspopulistischen Gruppierungen und Parteien weltweit vor Augen? Haben Sie schon von Steve Bannons Institut Dignitatis Humanae in Italien gehört? Haben Sie etwas von dem Auftritt des österreichischen Ex-Kanzlers Sebastian Kurz bei Awakening Austria mitbekommen? Nicht, dass Sie eines Tages sagen: Das habe ich nicht gewusst. Machen Sie sich schlau.

2) Positionieren Sie sich. Moralisch, politisch, wissenschaftlich. Da, wo gerade viele Menschen in der Kirche das Offensichtliche zwar ahnen oder sehen, aber resigniert oder verschämt schweigen, seien Sie da das Kind, das es sich auch sagen traut, dass der Kaiser nackt ist. Sagen Sie, was Sie in der aktuellen Situation der Kirche für moralisch, politisch, theologisch geboten halten und warum. Tauschen Sie sich darüber aus. Organisieren Sie sich. Wählen Sie Ihre Protestformen.

3) Leben Sie den Kern der christlichen Botschaft. Seien Sie für die Menschen in Ihrem Umfeld da, die Sie brauchen, und für die Sie etwas tun können. Nicht nur, aber gerade auch, für Opfer der Kirche. Rein statistisch gesehen, gibt es sie hier, mitten unter Ihnen neben Ihnen, hier heute in diesem Raum. Seien Sie als Hochschulgemeinde ein Ort, eine Gemeinschaft, wo Schwache und verletzliche Personen wissen, dass sie willkommen sind, wo Studierende in Armut, in Lebenskrisen oder mit Gewalterfahrungen dazugehören, wo sie aufatmen können.

15 Das Fazit

Das Fazit: Am Ende macht es keinen großen Unterschied, ob Sie aus der Kirche austreten oder nicht. Diese Entscheidung alleine enthebt Sie nicht der Pflicht, auch darüberhinaus Stellung zu beziehen. Und es ist gerade der Kern der christlichen Botschaft, der Ihnen für diese Positionierung ein tragendes Fundament bietet.

Mein Fazit lautet also: Die Frage ist nicht: Gehen oder bleiben? Sondern: Wie gehen und wiebleiben? Wie leben wir den christlichen Glauben so, dass wir gegenüber Menschen, denen in der Kirche Unrecht getan wurde, nicht schuldig werden?

So gebe ich diese Frage an Sie zurück. Ich bin gespannt auf Ihre Antworten.

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